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Das Gute als Theophanie

Bekannterweise gibt es zahlreiche Denker, die versuchten, das Gute als etwas darzustellen, daß viele Berührungspunkte zum Göttlichen hat. Für Platon hatte das Gute einen göttlichen Charakter. Für Augustinus bildeten die Liebe und das Gute eine Einheit, sodaß all das keine echte Liebe ist, was das Gute nicht will. Was haben also all diese Impulse auf sich?

Theonomie als "Anruf" Gottes in der Erfahrung des Guten

Zum Beispiel: Ein Motorradfahrer

Stellen wir uns mal ein Motorradfahrer vor, der nur ohne Helm fahren will. Seine Familie bittet ihm inständig, dies nicht zu tun, weil er sich den Schädel brechen könnte. Und prompt wird die Polizei auf ihn aufmerksam und erteilt ihm fürs erste einen Strafzettel.

Zwei Fragen:

1. Wie ist denn die Sittlichkeit einer solchen Handlung zu verstehen? Welche Zusammenhänge gilt es zu berücksichtigen, wenn ich nun die Frage stelle, ob es möglich ist, diese Sittlichkeit tiefer zu verstehen?

2. Woher weißt denn der Motorradfahrer, was richtig ist und was nicht?

Antwortversuche

Zu 1) Ontologie:

Wenn wir sagen würden, ob es richtig ist, oder nicht, ohne Helm zu fahren, dann gibt es mehrere Möglichkeiten, entweder

Wie bei jedem Menschen ist das Leben des Motorradfahrers unendlich "wertvoll". Er selbst hat in sich eine "Würde", aber diese Würde hat er nicht aus sich. Rein weltimmanent ist es nicht auszumachen, woher denn soviel "Werthaftigkeit" her kommen soll. Meine Würde habe ich in mir. Sie gehört wesentlich zu meiner Person. Ich habe sie aber nicht aus mir, sondern von dem, der mich ins Dasein gerufen hat. Hier stoßen wir auf die Frage danach, wie man von "Transzendenz" als "Glauben" reden kann.

Zu 2) Erkenntnistheoretisch: Der "Anruf" des Guten

An sich versteht es ja doch jeder, daß ohne Helm Motorrad zu fahren schlecht ist. Die Idee des Guten, für sein Leben zu sorgen, die kennzeichnet den Menschen als solchen. Nun hat ja jeder eigene Einsichten und Meinungen. Aber ich habe auch behauptet, daß ein jeder Mensch auch "Gewissenserfahrungen" macht. Das Gewissen kann einem manchmal ganz schön plagen und keine Ruhe geben. Es leuchtet irgendwie einem ein, daß man etwas nicht Gutes getan hat, wo also auch die "Einsicht" sich einstellen kann aber nicht muß, wie denn das Gute eigentlich hätte aussehen sollen.

Eine solche Einsicht des Guten ist einerseits meine eigene Einsicht. Andererseits kann ich mir meine Einsichten nicht selber "befehlen" und sagen, ab morgen denke ich anders. Wie frei bin ich denn eigentlich bei meinen Gedanken? Das Gute, das mir hier "einleuchtet" fordert von mir eine Antwort. Andererseits erfahre ich das so, daß es sehr wohl meine Einsichten sind. Daher also ein Vergleich:

In der Gewissenserfahrung "klopft" das Gute an die Tür meines Herzens und meiner Vernunft an, als ob ein anderer von "außen" anklopfen, damit ich diese Tür aufmache, aber es klopft nicht ein anderer, denn dies Gute zeigt und offenbart sich in meinen Einsichten und Herzen, als ob jemand anders aus dem Inneren meines Herzens zu mir sprechen würde.

Aber auch noch an die Möglichkeit des irrigen Gewissens gilt es hinzuweisen. Deshalb kann das Gewissen niemals die Stimme Gottes selbst sein. Aber im Gewissen haben wir alle ein kleines Fensterchen, durch welches das Licht des des Guten hindurch scheinen kann. Gerade wegen der Möglichkeit des Irrtums betet ja der Psalmist: "Herr, lehre mich Deine Gebote!" und "Gib mir ein reines Herz!"

Kategorie: Philosophie
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