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Über das Verhältnis zwischen Theologie und Philosophie

Philosophie, sagt man, ist die Freundschaft der Weisheit, eine Tätigkeit, die weder konfessionell oder noch an einer bestimmten Religion gebunden sein muß. Wer philosophiert, kann durchaus Angehöriger einer bestimmten Religionsgruppe sein, wenn man aber argumentiert, zieht man nur allgemeine Erfahrungen heran, die ein jeder verstehen und nachvollziehen kann. Es herrscht nur der zwanglose Zwang des besseren Argumenten in Freiheit natürlich. Selbst dann wenn man die besseren Argumente vorlegt, so muß das den anderen nicht überzeugen, sondern er hat das Recht, die Wahrheit des Behaupteten zu bezweifeln, selbst wenn er nichts weiter weißt.

Theologie, ist aber nie das Betreiben einer einzelnen Person, sondern ist soziologisch gesehen ein gemeinsames Finden von Grundhaltungen vieler Menschen gemeinsam, die über ihre Gotteserfahrungen reflektieren. Diese Reflexion will innerhalb der katholischen Kirche nie solipsistisch auf die Gegenwart verstanden werden, sondern bezieht die Tradition und das Zeugnis der Väter von Anbeginn an. Mein Gottesbild muß hinterfragbar bleiben und gemessen werden können, etwa an den Gotteserfahrungen Mose im brennenden Dornbusch und den Visionen des Johannes im Buch der Offenbarungen. Alle diese Bilder von Gott sind wie ein großes Mosaikbild, das ein großes Ganzes prägt. Sosehr Gott in allen Bildern ziemlich unbegreiflich bleibt, wer den Auferstandenen kennt, kennt Gott besser.

Von der Offenbarung her und auf sie hin

Bei der Theologie gehe ich von Gotteserfahrungen aus, und versuche sie auf auf den Alltag und auf das Leben zu übersetzen, was sie für den Einzelnen bedeuten kann. Und bei der Philosophie gehe ich von den Erfahrungen des Alltags aus, und versuche ausgehend von dort, auf meinen weltanschaulichen Deutungen zu sprechen zu kommen, d.h. für mich als Christ, also auf die besonderen religiösen Erfahrungen und auf Gotteserfahrungen. Wenn ich also von der Theologie ausgehe, gibt es eine Bewegung von der Theologie zum Leben und zur Philosophie hin. Wenn ich von der Philosophie ausgehe, gehe ich vom allgemeinen Leben aus und versuche auf das Göttliche, u.a. auf die Offenbarung hin zu führen. Einmal ist es eine Bewegung "von der Offenbarung her" und ein anderes mal "auf die Offenbarung hin".

Ausgangspunkt von beiden

Bei der Philosophie darf ich aber Gotteserfahrungen nicht als Basis meiner Rede machen, sondern muß allgemein auch für Atheisten Nachvollziehbares als Ausgang nehmen, also das, was einem jeden als gemeinsames Erlebnishorizont dienen könnte. Ich darf also, wenn ich philosophiere, nicht ein Bibelzitat nehmen und es als Präposition für meine Rede nehmen. Die Bibel ist für die philosophische Begründung nur sozusagen eine Präsubposition. Ich philosophiere als Christ, und niemand darf es mir verübeln, daß ich die Bibel besonders ins Herz geschlossen habe, genausowenig wie man es einem Buddhisten nicht verübeln darf, wenn er Buddha mag. Ich darf als Christ nur nicht sagen, wenn ich philosophiere, etwas sei wahr, weil es in der Bibel drin steht.

Bei der Theologie ist Weltweisheit nicht der primäre Ausgang meiner Überlegungen, sondern die Soteriologie (=die Wissenschaft vom Heilsverhältnis zwischen Gott und dem Menschen). Und es gibt viele Philosophien, die der christlichen und jüdischen Tradition widersprechen. Darum ist die Religion nicht an einer bestimmten Philosophie gebunden, aber es gibt Philosophien, die dieser Tradition widersprechen.

Bildsprache der Theologie

Die Sprache der Theologie ist meist Bildhaft gebunden. Wenn ich also sage, "ich vertraue auf Jesus", so ist das eine metaphorische Rede dafür, daß ich daran glaube, daß Gott nicht ein Abstraktum ist, sondern ein Gott der Geschichte, ein Du, zu dem ich reden kann, der mir nahekommt und mir durch seinen Heiligen Geist den Glauben an Ihm selbst geschenkt hat. Petrus wird gefragt, wer sagst Du bin ich? Er antwortete, der Sohn Gottes. Daraufhin antwortete Jesus, nicht Menschensweisheit sondern der Vater im Himmel hätte ihm das (durch den Heiligen Geist) offenbart. Und wenn ich jedesmal an der Eucharistiefeier mit "Vertrauen" begehen kann, dann ist das ein Teil von diesem geschenkten Glauben, das ich vollziehe.