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Das Fragezeichen darf für manche nicht mehr hinterfragt werden

Und wie ist es mit den Oberagnostikern,
die an allem zweifeln, nur nicht an das Fragezeichen?

Haben die keinen Zweifel, dass man Gott
doch irgendwie erfahren oder erleben könnte, derart,
dass diese Erfahrung das ganze Leben umgekrempeln kann?

"Stell Dir vor, Du betest und Gott antwortet!"
(Spruch an einem Aufkleber auf dem Gitarrenkoffer eines Freikirchlers)

Sehr häufig möchten Atheisten und Agnostiker sich die Sachen offen halten. Oft wird aber diese Haltung für sie zu einem Quasi-Dogma. Das Fragezeichen darf nicht mehr bezweifelt werden, denn wer einen festen Standpunkt vertritt, der ist ja intolerant. Vor allem wird der Relativismus so hoch stilisiert, dass er Gläubige gleichsam alle verurteilt, und man selbst sich nicht so richtig festlegen möchte. Vor allem wird die Ethik zu reiner Ansichtssache, und man möchte sich am liebsten gar nicht festlegen. Haben Atheisten & Agnostiker nicht manchmal ein wenig (unbegründete) Angst davor, dass es wahr sein könnte, dass man zu einem persönlichen festen Standpunkt (aus Glauben) kommen kann? Woher also diese Selbstsicherheit im Agnostizismus? Es sieht fast so aus, als ob für sie das Fragezeichen zu zu etwas Absolutes wird, das man nicht mehr hinterfragen kann. Das Fragezeichen ist für sie ein Ersatzgott, den sie anbeten. Diese Art von Agnostizismus artet manchmal schnell in eine Haltung aus, die jegliche Positionsbestimmung eines Christen mit Intoleranz beantwortet.

Selbstverständlich hat jeder seine Zweifel, auch Gläubige, aber Zweifel dürfen nicht dazu führen, dass es dann nichts mehr gibt, was wertvoll und heilig ist. Wem selbst in der Ethik nichts mehr heilig ist, der anerkennt selbst die menschliche Würde nicht mehr. In der Suche nach Gott tuen Agnostiker wie Gläubige gemeinsame Sache, und manche möchten den "Kleinglaube" der Gläubige als Unglaube enttarnen. Der Glaube ist jedoch Ausdruck von Dankbarkeit für das, was man erlebt hat. Der Glaube verhält sich hier ähnlich wie bei der Liebe zwischen zwei Menschen, auch wenn die Gewissheit darüber, dass der andere einem liebt, so "ganz sicher" kann sich niemand sein. Und es scheint so zu sein, dass diese Zweifel zunehmen, wenn man versucht sich dieser Gewissheit selbst zu bemächtigen, hingegen aber wenn man sich von diesem Urvertrauen "ergreifen" lässt, dann merkt man plötzlich, dass man bereit ist, für eine andere Person um ihrer selbst willen zu sterben, oder auch für den Glauben.

Der Gewissheit, dass man von einem Menschen geliebt wird, kann man sich nicht bemächtigen, sondern vielmehr ist diese Gewissheit Geschenk. Es gilt, sich von dieser Gewissheit ergreifen zu lassen, und sie an sich selbst geschehen lassen. Wenn man die Erfahrung macht, dass man von einer bestimmten Person sehr geliebt wird, ist es ein Ausdruck der Dankbarkeit, diese Liebe in entsprechender Weise zu erwidern.

Kategorie: Theologie
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